Das Original

Deutsches Gebetbuch, angefertigt vor über 470 Jahren (1536/37) für einen der bedeutendsten geistlichen Herrscher und Kunstmäzene der Renaissance, Kardinal Albrecht von Brandenburg.

Vom Nürnberger Buchmaler Gabriel Glockendon, einem Sohn Nikolaus Glockendons d. Ä., stammen die 42 ganzseitigen Miniaturen zu neutestamentlichen Szenen, von Georg Stierlein, dem Schreiber des Kardinals, das Randdekor und die Initialen. Der um 1515 geborene Gabriel führte schon in jungen Jahren die Werkstatt seines berühmten Vaters als technisch äußerst versierter Miniaturist. Zu einer Zeit, als die Kunst des Buchdruckes bereits in hoher Blüte stand und es auch druckgraphisch illustrierte Werke von außergewöhnlicher Güte gab, musste der mit der Hand geschriebene und vom Buchmaler illuminierte Codex durch höchste Qualität überzeugen.

Das Glockendon-Gebetbuch
Gefangennahme Christi

Charakteristisch für die Miniaturen Gabriel Glockendons im Deutschen Gebetbuch für Kardinal Albrecht von Brandenburg sind ein ausgeprägter Hang zum Detail, stimmungsvolle Landschaftsdarstellungen, wie sie in knorrigen Bäumen, einsamen Flusslandschaften, Felsentürmen mit gewagten Überhängen zum Ausdruck kommen, und eine harmonische Farbgebung, wie sie niederländisches Rosa, manieristische Violett- und Grüntöne in differenzierten Farbabstufungen, reiche Goldhöhungen und akzentuierte Beleuchtung erkennen lassen. Die Miniaturen zeigen – mit Ausnahme eines Blicks auf die Erschaffung Evas - das Heilsgeschehen, von der Verkündigung an Maria bis zur Grablegung Christi.

Das Original befindet sich in einem klimatisierten Tresor der Österreichischen Nationalbibliothek. Es wird auf der Ausstellung “In Andacht leben, humanistisch wirken” im Gutenberg-Museum Mainz zu bewundern sein!

Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Österreichische Nationalbibliothek, Wien Ansicht des Originals v.l. Dr. Dagmar Thoss,  Autorin des Kommentars,  Hans-Dieter Blatter, Verlagsleiter Bibliotheca Rara, Dr. Susan Weinert, Dr. Claus Weinert, Bibliotheca Rara
Ansicht des Originals v.l. Dr. Dagmar Thoss,  Autorin des Kommentars,  Hans-Dieter Blatter, Verlagsleiter Bibliotheca Rara, Dr. Susan Weinert, Dr. Claus Weinert, Bibliotheca Rara Der Codex 1847
Parlamentsgebäude, Wien

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